Lala

LaLa, das hört sich locker und beschwingt an.
Ich mach mal einen LaLa ..
Nun LaLa – der LAnge LAuf – das Kernelement der Marathonvorbereitung, ist alles andere als locker.
Das liegt an seinem Wesen.
Im Charakter ist er unerbittlich, mindestens 28km, nein, besser 30 oder gar 34km lang.

Je nach Marathonzielzeit sollte er
mindestens 3 mal gelaufen werden .. wenn man einfach ankommen will.
6 bis 8 mal .. wenn man hinten raus noch Körner braucht um z.B. Zeiten unter 4h zu erzielen.
Generell gilt ‚je öfter umso besser‘.
Denn er erzieht zu ‚mentaler Stärke‘, pusht die Ausdauer indem er die Fettverbrennung optimiert und .. lässt erahnen was im Marathon auf einen zukommt.

Das schwierige daran, man ist über 3 Stunden mit sich selbst allein, ohne Ablenkung, ohne Handy, Tageszeitung oder einem guten Bier.

Im ersten Abschnitt überwiegt bei mir allemal die Freude.
Freude über den schönen Morgen, das Zwitschern der Vögel, die Leichtigkeit des Laufens, des Seins im Allgemeinen.

Im  zweiten Abschnitt beginnen die Selbstgespräche.
Über den bevorstehenden Wettkampf, über die zu erwartende persönliche Bestzeit, Familie, Arbeit, Freunde und Steuererklärung.

Anfang des letzten Abschnittes ärgere ich mich
über das wellige Streckenprofil,
Gegenwind, Sonne, Wolken, Rückenwind
Walker die mir gut gelaunt entgegenkommen,
meine Laufschuhe,
Schweiß, dessen Flussbett geradewegs durch meine Augen läuft.

Ende des letzten Streckenprofils versiegen die Gedanken,
es setzt das ‚Runners Low‘ ein, der Anti-Flow.
Vermutlich ziehen sich die Körperfunktionen aus allem zurück was nicht direkt benötigt wird.
Großhirn wird partiell abgeschaltet,
Herz, Lunge, Stamm und Kleinhirn müssen versorgt werden.

Daheim angekommen, trinke ich erstmal die Wasserleitung aus.
Dann versuche ich alles zu assimilieren was nach hohem glykämischen Index aussieht, Rosinen, Datteln, Bananen.

Nach der Dusche schleppe ich mich auf die Couch und träume vom Zieleinlauf, von Applaus und grünen Lorbeerkränzen.

 

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